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Neuigkeiten

Erstmals eigenständig durchgeführte Tiefe Hirnstimulation bei Parkinson-Patientin

19.06.2026

Das Heinrich-Braun-Klinikum hat diese Woche eine Operation zur Tiefen Hirnstimulation (Deep Brain Stimulation, DBS) bei einer Parkinson-Patientin durchgeführt. Das Besondere daran: der Eingriff wurde erstmals völlig eigenständig von einem interdisziplinären Experten-Team unserer Neurochirurgie und Neurologie II geplant und durchgeführt.

Die Tiefe Hirnstimulation kommt vor allem bei Patienten mit fortgeschrittener Parkinson-Erkrankung zum Einsatz, wenn Medikamente die Beschwerden nicht mehr ausreichend kontrollieren können. Typische Symptome wie Zittern, Bewegungsverlangsamung oder Muskelsteifigkeit beeinträchtigen dann häufig den Alltag erheblich. Bei dem Verfahren werden feine Elektroden millimetergenau in bestimmte Hirnregionen implantiert, die für die Bewegungssteuerung von Bedeutung sind. Über einen unter der Haut eingesetzten Impulsgeber – vergleichbar mit einem Herzschrittmacher – werden elektrische Signale abgegeben, die krankheitsbedingt veränderte Aktivitätsmuster im Gehirn beeinflussen. Dadurch können Parkinson-Symptome häufig deutlich gelindert und die Lebensqualität verbessert werden.
Dr. med. Kristian Ebmeier, Chefarzt der Neurochirurgie am HBK, erklärt warum der Eingriff einen Meilenstein darstellt: „Die Tiefe Hirnstimulation wird aufgrund ihrer hohen Anforderungen an medizinische Expertise und technische Ausstattung häufig nur an Universitätskliniken durchgeführt. In der Region Südwestsachsen sind wir derzeit das einzige Krankenhaus, das diesen hochspezialisierten Eingriff anbietet.“

Langfristige Vorbereitung und moderne Technik
Die erfolgreiche Durchführung des Eingriffs ist das Ergebnis einer mehrjährigen strategischen Entwicklung. Bereits seit 2020 hat das HBK gezielt in die notwendige Infrastruktur investiert, um solche komplexen neurochirurgischen Eingriffe auf höchstem Niveau durchführen zu können. Ein wesentlicher Baustein ist unser Hybrid-OP. Dort steht unter anderem ein moderner OP-Roboter zur Verfügung, der während des Eingriffs hochauflösende CT-Aufnahmen anfertigen kann, ohne dass die Patienten bewegt werden müssen. Dies ermöglicht eine unmittelbare Überprüfung der Elektrodenposition und unterstützt die für die Tiefe Hirnstimulation erforderliche Präzision. Neben der technischen Ausstattung spielte auch die Qualifizierung der beteiligten Teams eine entscheidende Rolle. In den vergangenen zwei Jahren hospitierten Mitarbeitende aus Neurochirurgie, Neurologie und Anästhesie am Universitätsklinikum Rostock, um praktische Erfahrungen zu sammeln und etablierte Abläufe kennenzulernen. Die nun erfolgreich durchgeführte Operation ist das Ergebnis dieser intensiven Vorbereitung. „Das war eine echte Teamleistung. Mein herzlicher Dank gilt allen Beteiligten aus Neurochirurgie, Neurologie, Anästhesie, OP-Pflege, den Medizintechnik-Partnern und vor allem Dr. med. Thomas Kriesen (Bereichsleiter Funktionelle Neurochirurgie des Universitätsklinikums Rostock), der den ersten Eingriff am HBK begleitet hat“, sagt Dr. med. Ebmeier.

Auch Dr. med. Bert Winkler, Chefarzt der Neurologie II am HBK, ist zufrieden mit dem Eingriff: „Wir sehen bei der Patientin bereits jetzt einen sehr positiven Verlauf. Wir wissen aus Erfahrung, dass nach der Implantation zunächst ein vorübergehender postoperativer Effekt (sogenannter Setzeffekt) auftreten kann, der die Symptomatik unabhängig von der eigentlichen Stimulation beeinflussen kann. Deshalb erfolgt zunächst eine Basiseinstellung des Systems. Nach Abklingen dieses Effektes in den nächsten Wochen wird die Einstellung individuell optimiert. Erst diese schrittweise Feinprogrammierung ermöglicht eine langfristig optimale Wirkung und ist entscheidender Bestandteil des Behandlungserfolgs.“
 
Interdisziplinäre Spitzenmedizin vor Ort
Die Tiefe Hirnstimulation erfordert das enge Zusammenspiel zahlreicher Fachbereiche – von der neurologischen Diagnostik und Patientenauswahl über die neurochirurgische Planung und Durchführung bis hin zur Nachsorge und individuellen Einstellung des Stimulationssystems. Der erste eigenständig durchgeführte Eingriff markiert daher nicht nur einen wichtigen Meilenstein für unser Krankenhaus, sondern erweitert auch die medizinischen Möglichkeiten für Parkinson-Patienten in der Region. „Wir haben unser langgestecktes Ziel erreicht und können nun dieses hochspezialisierte Behandlungsverfahren wohnortnah anbieten und den Menschen vor Ort Zugang zu moderner Spitzenmedizin ermöglichen, die bislang häufig nur an großen Universitätskliniken verfügbar war“, freut sich Chefarzt Ebmeier.
 


Ansprechpartner

HBK-Unternehmenskommunikation